Die Sammlung
WAREN- UND DIENSTLEISTUNG

Mit fortschreitender Industrialisierung gegen Ende des 19. Jh. und dem ersten Patent für einen münzbetriebenen Automaten 1857 in England, der Briefmarken verkaufte, begann der Siegeszug der Waren- und Dienstleistungsautomaten. Sie waren Ausdruck einer technischen Revolution, an der jeder mit nur einer Münze teilhaben konnte.

 

 


Eierlegende Henne, Philippe Leonie, Paris, Frankreich, 1897

Dieser Süßwarenautomat erregte mit seinem Design und dem farbigen Lackanstrich Aufsehen und war aufgrund seiner soliden Bauweise und durchdachten Konstruktion äußerst zuverlässig. Nach Einwurf einer 10 Centimes-Münze zog man am Ring, was ein Gackern auslößte. Dieses wurde durch einen Blasebalg erzeugt. Eine runde Schale wurde in Bewegung gesetzt und ein Ei freigegeben.

Die Henne machte ihrem Namen somit alle Ehre und „legte“ ein handbemaltes Blech-Ei, in dem sich Süßigkeiten und auch Überraschungen für Kinder befanden. Der geflochtenen Korb, auf dem die Henne sitz, fasste zwischen 80 und 90 Blech-Eier, die gut verschlossen in die Trommel eingelegt wurden. Die Henne wurde meist in Verbindung mit Lebensmittelgeschäften aufgestellt.

   

Amor, Georg Wiegandt & Söhne, Berlin-Neukölln, Deutschland, 1957

Dieser Automat verkaufte Ende der 1950er-Jahre „Gummiwaren“ – womit nichts anderes als Präservative gemeint waren. „Der moderne Herr wählt Amor“ so war auf dem Beipackzettel der Verhütungsmittel zu lesen, mit denen das Gerät bestückt war. Wie die Gestaltung verrät, ließen sich hier allein Kondome der Firma Amor erwerben.

Da sich viele Kunden zur damaligen Zeit aufgrund ihres Schamgefühls gehindert fühlten ihre Verhütungsmittel im Ladengeschäft zu kaufen, bevorzugten sie den diskreten „Schutzmittelautomaten“. Nach Einwurf einer DM drückte man die beiden silbernen Griffe zusammen und erhielt eine Packung mit drei Kondomen. Selbstverständlich wurde frische und gute Qualität vorausgesetzt. Um Das Vertrauen der Kunden aufrechtzuerhalten, wurde der Automat alle zehn Tage kontrolliert und nachgefüllt.

Somit steht dieser Warenautomat in einer weit zurückreichenden Tradition der Herstellung und Aufstellung von Kondomautomaten.



   

Zigarettenautomat, Sielaff Maschinenfabrik GmbH,Berlin, Deutschland, 1925-1935

Dieser Vier-Schacht-Zigarettenautomat des Herstellers Sielaff erregte mit seiner knalligen roten Farbe Aufsehen. Es gab für jede der vier Zigarettenmarken einen separaten Münzprüfer, der die Münze auf Stärke, Durchmesser, Gewicht und Metall prüfte. Nach Einwurf von 10 oder 20 Pfennig musste der Knauf gezogen werden, die Münze wurde dem jeweiligen Schacht zugewiesen und die Schachtel vom Gestänge freigegeben.

Der Firmengründer Max Sielaff (1860-1929), der eine Reihe innovativer Produkte entwickelte, war als deutscher Ingenieur und Unternehmer in Berlin tätig. Nachdem er am 9. Juni 1887 vom Kaiserlichen Patentamt die Patentschrift für einen "Selbsttätigen Verkaufsapparat" erhielt, spezialisierte sich sein Unternehmen auf die Herstellung von Warenautomaten, Personenwaagen, Kraftmesser und anderer Apparaturen. Nach eigenen Angaben existierten 1907 bereits 100.000 Automaten, die nach einem Sielaff´schen Patent gebaut wurden.

Bis in die heutige Zeit ist der Name Sielaff nicht nur für zuverlässige Zigarettenautomaten bekannt, sondern auch für andere Waren-, Getränke- und Leergutautomaten.

   

Parfümautomat, W. Seeger AG & Co., Berlin-Steglitz, Deutschland, 1920er-Jahre

Den ersten Parfümautomaten Deutschlands stellte Ludwig Stollwerck her, wobei er sich von den technischen Entwicklungen in den USA inspirieren ließ. 1894 schloss er mit dem Parfümeur Philippe Leoni einen Vertrag über den automatischen Verkauf seiner Düfte. Die eigens konzipierten Parfümautomaten  wurden dann z.B.  an Bahnhöfen aufgestellt.

Die in Vergessenheit geratenen Automaten haben eine lange Tradition und erfreuten sich auch in den 1920er-Jahren großer Beliebtheit. Nachdem hier eine 10 Pfennig-Münze eingeworfen wurde, konnte mit dem Zeiger in der Mitte der gewünschte Duft eingestellt werden. Anschließend musste rechts ein Hebel heruntergedrückt werden und schon sprühte der Duft aus dem Automaten.

Zur Auswahl standen vier Düfte, die im Inneren des Geräts in kleinen Fläschchen untergebracht waren. Diese wurden über Schläuche mit einer Luftpumpe verbunden, somit wurde der Sprühvorgang durch Unterdruck ausgelöst.

 

 

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