Musikboxen

Eine Münze in den Schlitz zu werfen, sich einen Song auszusuchen, ihn anhand der speziellen Auswahlmechanik anzuwählen, zu sehen, wie sich Schallplatte und Tonarm aufeinander zubewegen und zu hören, dass der gewünschte Titel erklingt, das fasziniert die Menschen heute genauso wie vor 90 Jahren. Bereits 1927 brachte die Automatic Musical Instrument Company (AMI) unter Verwendung des neu entwickelten Röhrenverstärkers den „National Automatic Selective Phonograph“ heraus - der Urahn einer jeden Jukebox.

Hier präsentieren wir eine kleine Auswahl aus unserer Sammlung.

Wurlitzer 1015

Rudolf Wurlitzer Company North Tonawanda, USA, 1946

Diese Musikbox ist nicht nur die meist verkaufte, sondern auch die bekannteste der Welt. Im November 1945 stellte die Rudolph Wurlitzer Company eine Jukebox vor, die alle bisherigen in den Schatten stellen sollte.
Mit der Präsentation des Modells 1015 gelang es Wurlitzer nach einer entbehrungsreichen Zeit, die Nachfrage der Menschen an musikalischer Unterhaltung, ansprechender Ästhetik und einer zeitgemäßen Technik zu bedienen. Das Design der Box im Art-déco-Stil brach mit sämtlichen Konventionen, die in der damaligen Zeit für Musikautomaten galten. Die hinterleuchteten Plastikelemente mit integriertem Farbwechsel, die detaillierten Chromverzierungen sowie die sogenannten „Bubble-Tubes“, die den Anschein von durchströmendem Wasser erweckten, sorgten für neue Maßstäbe im Jukebox-Design.
Im Inneren bestach die Box mit der bewährten Wurlitzer-Simplex-Mechanik, die eine Auswahl von 24 Musiktiteln erlaubte, welche sich auf Schellack-Schallplatten befanden – Vorläufern der späteren Vinyl-Schallplatten. Die US-amerikanische Markteinführung dieser Musikbox ging mit einer Werbeoffensive einher, die in der Geschichte der Branche bis dahin beispiellos war.
Überall im Land verlangten die Menschen fortan in Bars oder Diners nach „Wurlitzer Music“. In Summe führte all dies zu der Tatsache, dass die Wurlitzer 1015 rund 60.000 Mal verkauft wurde. Eine Zahl, die bis heute unübertroffen ist.

Wurlitzer1015

Rock-Ola 1468

Rock-Ola Manufacturing Corporation, Chicago, USA, 1959

„Mit einer großen Panoramascheibe und ausgestellten Heckflossen versehen, erstrahlt sie in einem satten Türkis mit glänzenden Chrom-Akzenten und trägt ein großes V am Kühlergrill“. Diese Worte beschreiben nicht etwa ein amerikanisches Automobil der Marke „Cadillac“ – sie fassen das Design der Rock-Ola Musikbox 1468 in Worte.
Vorgestellt im Jahr 1958 stand offensichtlich die Gestaltung der US-Straßenkreuzer Pate für dieses Model. Mit 120 Wahlmöglichkeiten ausgestattet – das heißt 60 Vinyl-Singles, die in einem senkrecht rotierenden Plattenkarussell stecken – bietet sie für jeden Geschmack die richtige Musik. Denn oben am Gerät, links neben dem Münzeinwurf, befinden sich drei Tasten mit den Aufschriften „Walzer und Märsche“, „Jazz“ sowie „Moderne Tanzmusik“. Beim Drücken einer dieser Tasten dreht sich die Walze, auf der die Titelstreifen des gewählten Genres befestigt sind und 40 entsprechende Titel stellen sich zur Wahl.
Anschließend ertönt nach dem Betätigen einer der 40 orangefarbenen Knöpfe entweder Frank Sinatra, Ella Fitzgerald oder Elvis Presley.

Rock-Ola 1468

Sachsenklang M 4 Minibox

Böhm-Automatic, Glauchau, DDR 1966

Mit der Sachenklang M4 Minibox brachte die Firma Böhm-Automatic aus Glauchau in Sachsen das letzte von insgesamt vier Musikboxmodellen heraus. Es handelt sich um eine platzsparende Wandbox, die Raum für 20 Vinyl-Singles bot und damit in jede noch so kleine Kneipe passte. Die halbautomatischen Musikboxen der Firma Böhm waren im Gegensatz zu vollautomatischen Exemplaren günstig zu produzieren, da das Wechseln der Schallplatten von Hand zu erfolgen hatte, wodurch an der Wechselmechanik gespart werden konnte. Nach dem Einwurf von zwei 10-Pennig-Stücken standen 40 Titel zur Auswahl. Die entsprechende Platte musste aus dem Magazin herausgenommen und in den gut erkennbaren Schlitz (auch Plattenschlucker genannt) an der Front des Holzgehäuses eingeschoben werden.
So ertönten Titel von Andreas Holm oder den Puhdys aus dem Lautsprecher. Jedoch war es auch möglich, Westmusik zu spielen, wenn auch nur unter bestimmten Bedingungen. Mindestens 60% der Titel mussten von DDR-Interpretinnen und Interpreten sein oder aus den sozialistischen Bruderstaaten stammen. Die restlichen durften auch aus anderen Ländern kommen, sofern ein DDR-Verlag sie veröffentlicht hatte, wozu u.a. auch Peter Alexander oder Boney M gehörten.

Sachsenklang M 4 Minibox

Harting M-2000

Wilhelm Harting, Espelkamp, Deutschland, 1973

Vorgestellt wurde diese Musikbox im Baukasten-System auf der Fachmesse IMA 1971 und bestach auf den ersten Blick Aufsteller und Gastronomen sowie Musikbegeisterte gleichermaßen durch ihr aufsehenerregendes Design. Bestehend aus bis zu sechs Elementen - darunter die Mechanikeinheit, die Wahleinheit sowie verschieden große Lautsprecher und sogenannte Bildeinheiten - passte sich die Box den Verhältnissen der Aufstellplätze ideal an. Erhältlich war das modulare System in unterschiedlichen "Modefarben mit Pop-Mustern", wie die zeitgenössische Werbung verrät und bot dabei eine Auswahl von 140 Titeln. Nur vier Sekunden nach Auswahl eines Songs ertönte er bereits aus den "Hochleistungslautsprechern".

M-2000

R-83 (Disco 200)

Rowe/AMI, Grand Rapids, USA, 1979

Was hat "Highway to hell" von ACDC mit ABBAs "Gimme! Gimme! Gimme!" und "Don't stop me now" von Queen gemeinsam? Diese drei Songs erschienen im Jahr 1979 als Vinyl-Single auf dem Markt und die R83 spielte sie alle!
Nach Einwurf von 50 Pfennig standen 200 Songs zur Auswahl. Die dreistellige Nummer des gewünschten Titels war über die Tastatur einzugeben und wurde auf der darüber liegenden Digitalanzeige visualisiert - ein Feature, das 1979 an Modernität kaum zu überbieten war. Mittels des 125-Watt-Stereo-Verstärkers ertönte der Song aus den Lautsprechern und wurde von einer integrierten Lichtorgel begleitet.
Bei der Gestaltung dieser Jukebox lässt sich sowohl an die Stilsprache der 70er-Jahre Disco-Epoche denken, als auch an das spätere Design der 80er-Jahre, was ihr für die damalige Zeit eine durchaus moderne Optik verleiht.
Der Hersteller kann auf eine lange Tradition innerhalb der Musikautomatenindustrie zurückblicken. So steht AMI für Automatic Musical Instrument Company und geht zurück auf die Firmengründung im Jahr 1925. Einer Fusion im Jahr 1959 verdankte die Firma dann den Namen ROWE/AMI. Noch heute produziert die amerikanische Firma AMI Entertainment moderne Music-Video-Jukeboxen, die eine digitale Auswahl von Musiktiteln ermöglichen - sogar von der App auf dem Smartphone aus.

R-83 (Disco 200)