C.H.L. Gartmann
Aus einer kleinen Altonaer Konditorei entstand eine Schokoladenmarke, die weit über Hamburg hinaus bekannt wurde. Mit kunstvoll gestalteten Automaten, süßen Schokoladenrollen und begehrten Sammelbildchen verwandelte C.H.L. Gartmann den Schokoladenkauf in ein Erlebnis und schrieb als Automatenpionier ein besonderes Kapitel deutscher Wirtschafts- und Kulturgeschichte.
C.H.L. Gartmann
Aus einer kleinen Altonaer Konditorei entstand eine Schokoladenmarke, die weit über Hamburg hinaus bekannt wurde. Mit kunstvoll gestalteten Automaten, süßen Schokoladenrollen und begehrten Sammelbildchen verwandelte C.H.L. Gartmann den Schokoladenkauf in ein Erlebnis und schrieb als Automatenpionier ein besonderes Kapitel deutscher Wirtschafts- und Kulturgeschichte.
Die Geschichte der Schokolade geht bis in die Zeit der Maya zurück (vgl. Menne 1989, S. 14). Aus der Kakaobohne gewonnenes Pulver wurde mit Wasser aufgekocht und mit Pfeffer und Vanille verfeinert (vgl. ebd.). Das schaumig gerührte Getränk wurde vor allem von Adeligen konsumiert und „xocolatl“ genannt - der Ursprung des Wortes Schokolade (vgl. ebd.).
Mit der spanischen Eroberung Mexikos im 16. Jahrhundert kam das Getränk nach Europa und begeisterte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nicht mehr nur in Spanien, sondern auch in Italien, Frankreich und Flandern (vgl. ebd., S. 17).
Auch am Hofe Ludwig XIV. kam Schokolade in Mode und es entwickelte sich eine ausgereifte Trinkkultur (vgl. ebd., S. 20). Die nur in Apotheken erhältliche Schokolade wurde zunächst in Teeschalen serviert. Durch den beim Aufschlagen entstehenden Schaum, stellten sich diese allerdings als ungeeignet heraus, sodass für die Schokolade Tassen mit ausschwingendem Rand entwickelt wurden (vgl. ebd.). Bis ins 19. Jahrhundert wurde Schokolade nur als Getränk genossen. Die aufkommende Industrialisierung und die damit verbundenen neuen technischen Möglichkeiten setzten den Grundstein für die Entwicklung von Essschokolade, Milchschokoladen und anderen Schokoladenprodukten (vgl. Magazin rund um Schokolade, Pralinen und Kakao, o.D.).
Das Potenzial, dass in der Schokolade steckte, erkannte auch die Familie Gartmann aus Hamburg-Altona. Der in Brünn in der Schweiz geborene Konditor Esajas Gartmann zog Anfang des 19. Jahrhunderts nach Hamburg, mit dem Ziel von dort aus nach Amerika auszuwandern (vgl. Wolff 2023). Eine Kontinentalsperre und die Besetzung Hamburgs durch Frankreich verhinderten diesen Plan und Gartmann zog in das damals mit Schleswig-Holstein zu Dänemark gehörende Altona (vgl. ebd.). Dieses hatte eine gute Verbindung zu den überseeischen Gebieten, was die Einfuhr von Gütern wie Rohkakao, Zimt und Vanille ermöglichte (vgl. ebd.). 1810 gründete Gartmann mit einem Geschäftsmann eine Konditorei in Altona und verkaufte dort neben Likören, Punsch, Milch und anderen Getränken auch Schokolade (vgl. ebd.). Nach kurzer Zeit schied sein Geschäftspartner aus und Esajas Gartmann baute seine Konditorei weiter aus. Durch seine Schokolade gewann er neue Kundinnen und Kunden, auch wenn die Herstellung der Schokolade zur damaligen Zeit noch sehr aufwendig war und nur Wohlhabende sich das Getränk leisten konnten (vgl. ebd.).
rechts: Esajas Gartmann (Webseite CMMA Gartmann GmbH a, o.D.)
Das Potenzial, dass in der Schokolade steckte, erkannte auch die Familie Gartmann aus Hamburg-Altona. Der in Brünn in der Schweiz geborene Konditor Esajas Gartmann zog Anfang des 19. Jahrhunderts nach Hamburg, mit dem Ziel von dort aus nach Amerika auszuwandern (vgl. Wolff 2023). Eine Kontinentalsperre und die Besetzung Hamburgs durch Frankreich verhinderten diesen Plan und Gartmann zog in das damals mit Schleswig-Holstein zu Dänemark gehörende Altona (vgl. ebd.). Dieses hatte eine gute Verbindung zu den überseeischen Gebieten, was die Einfuhr von Gütern wie Rohkakao, Zimt und Vanille ermöglichte (vgl. ebd.). 1810 gründete Gartmann mit einem Geschäftsmann eine Konditorei in Altona und verkaufte dort neben Likören, Punsch, Milch und anderen Getränken auch Schokolade (vgl. ebd.). Nach kurzer Zeit schied sein Geschäftspartner aus und Esajas Gartmann baute seine Konditorei weiter aus. Durch seine Schokolade gewann er neue Kundinnen und Kunden, auch wenn die Herstellung der Schokolade zur damaligen Zeit noch sehr aufwendig war und nur Wohlhabende sich das Getränk leisten konnten (vgl. ebd.).
rechts: Esajas Gartmann (Webseite CMMA Gartmann GmbH a, o.D.)
1865 trennte Hannes Philipp Hermann seine Konditorei von der Schokoladenfabrik und gab diese in die Hände seines Sohnes Christian Heinrich Louis Gartmann (vgl. ebd.). Die Fabrik wurde unter dem noch heute bekannten Namen C.H.L. Gartmann geführt (vgl. CMMA Gartmann GmbH a, o. D). Der Enkel des Firmengründers Gartmann hatte in Frankreich die französische Schokoladenfabrikation erlernt und konnte auf seine Eindrücke und Erfahrungen dort zurückgreifen (vgl. Wolff 2023). Neben der Erfindung der noch heute von der Firma vertriebenen „Tannenbaum – Chokoladenkränze“ setzte er auch auf neue Vertriebswege seiner Schokolade in Form von Automatenverkäufen (vgl. ebd.).
rechts: Christian Heinrich Louis Gartmann (Webseite CMMA Gartmann GmbH a, o.D.)
1865 trennte Hannes Philipp Hermann seine Konditorei von der Schokoladenfabrik und gab diese in die Hände seines Sohnes Christian Heinrich Louis Gartmann (vgl. ebd.). Die Fabrik wurde unter dem noch heute bekannten Namen C.H.L. Gartmann geführt (vgl. CMMA Gartmann GmbH a, o. D). Der Enkel des Firmengründers Gartmann hatte in Frankreich die französische Schokoladenfabrikation erlernt und konnte auf seine Eindrücke und Erfahrungen dort zurückgreifen (vgl. Wolff 2023). Neben der Erfindung der noch heute von der Firma vertriebenen „Tannenbaum – Chokoladenkränze“ setzte er auch auf neue Vertriebswege seiner Schokolade in Form von Automatenverkäufen (vgl. ebd.).
rechts: Christian Heinrich Louis Gartmann (Webseite CMMA Gartmann GmbH a, o.D.)
Erst mit seinem Sohn Hannes Philipp Hermann, der 1837 nach seinem Tod übernahm, entwickelte sich die Firma zu einer bedeutenden Schokoladenfabrik (vgl. ebd.). Mit dem Erwerb von modernen Produktionsmaschinen, wie einer Dampfmaschine und einer weiteren Reihe von neuen Konstruktionen für die maschinelle Herstellung von Schokolade, wuchs das Unternehmen zu einem hochentwickelten Betrieb (vgl. ebd.).
rechts: Hannes Philipp Hermann Gartmann (Webseite CMMA Gartmann GmbH a, o.D.)
Erst mit seinem Sohn Hannes Philipp Hermann, der 1837 nach seinem Tod übernahm, entwickelte sich die Firma zu einer bedeutenden Schokoladenfabrik (vgl. ebd.). Mit dem Erwerb von modernen Produktionsmaschinen, wie einer Dampfmaschine und einer weiteren Reihe von neuen Konstruktionen für die maschinelle Herstellung von Schokolade, wuchs das Unternehmen zu einem hochentwickelten Betrieb (vgl. ebd.).
rechts: Hannes Philipp Hermann Gartmann (Webseite CMMA Gartmann GmbH a, o.D.)
Die ersten Prototypen eines Gartmann-Warenautomaten wurden 1900 aufgestellt (vgl. CMMA Gartmann GmbH a, o. D.). Der unter dem Namen „Unikum“ bekannte Automat wurde als Leihgabe an Gastronomiebetriebe vergeben und erzielte damit gute Umsätze (vgl. Wolff 2023). In Form von Rollen gab der Automat nach dem Einwurf von 10 Reichspfennig zwei verschiedene Sorten von Schokolade aus – „Vanille Chocolade“ oder „Crême Chocolade“ (vgl. Haberbosch 2003, S. 36).
links: Gartmann Schkoladenrolle (Nachbau) (Deutsches Automatenmuseum)
Die ersten Prototypen eines Gartmann-Warenautomaten wurden 1900 aufgestellt (vgl. CMMA Gartmann GmbH a, o. D.). Der unter dem Namen „Unikum“ bekannte Automat wurde als Leihgabe an Gastronomiebetriebe vergeben und erzielte damit gute Umsätze (vgl. Wolff 2023). In Form von Rollen gab der Automat nach dem Einwurf von 10 Reichspfennig zwei verschiedene Sorten von Schokolade aus – „Vanille Chocolade“ oder „Crême Chocolade“ (vgl. Haberbosch 2003, S. 36).
links: Gartmann Schkoladenrolle (Nachbau) (Deutsches Automatenmuseum)
Die Produkte wurden im Wechsel ausgegeben, da der Automat nur einen Warenschacht besaß (vgl. ebd.). Damit die Rollen sich nicht im Automaten verklemmten, war der Warenschacht in Wellenform angelegt.
Der Warenautomat funktionierte mit dem Prinzip der Entriegelung. Nach dem Einwurf der Münze wurde ein Sperrmechanismus freigegeben und die Schokoladenrolle fiel durch ihr Eigengewicht in den Ausgabeschacht (vgl. ebd.).
Mit seinem an einen Turm erinnernden Aussehen mit einer goldenen Porzellankugel auf einem Blechdach und bunten Emaille-Tafeln an den Gehäusewänden sowie seiner beachtlichen Größe von 174 cm, begeisterte der „Unikum“ nicht nur durch seine Produkte, sondern auch durch sein besonderes Aussehen (vgl. ebd. und CMMA Gartmann GmbH a, o. D.). Insgesamt wurden bis 1915 über 20.000 der Gartmann‘schen Unikum-Automaten produziert. Das machte die Firma in Deutschland, aber auch im Ausland bekannt (vgl. Wolff 2023). 1903 wurde außerdem ein Gebrauchsmuster (Nr. 214461) für einen an der Wand anzubringenden Automaten der Firma Gartmann eingereicht, welcher ebenfalls Schokoladenrollen in den Sorten Vanille und Creme verkaufte.
links: Warenschacht des Gartmann "Unikum" (Deutsches Automatenmuseum)
Die Produkte wurden im Wechsel ausgegeben, da der Automat nur einen Warenschacht besaß (vgl. ebd.). Damit die Rollen sich nicht im Automaten verklemmten, war der Warenschacht in Wellenform angelegt.
Der Warenautomat funktionierte mit dem Prinzip der Entriegelung. Nach dem Einwurf der Münze wurde ein Sperrmechanismus freigegeben und die Schokoladenrolle fiel durch ihr Eigengewicht in den Ausgabeschacht (vgl. ebd.).
Mit seinem an einen Turm erinnernden Aussehen mit einer goldenen Porzellankugel auf einem Blechdach und bunten Emaille-Tafeln an den Gehäusewänden sowie seiner beachtlichen Größe von 174 cm, begeisterte der „Unikum“ nicht nur durch seine Produkte, sondern auch durch sein besonderes Aussehen (vgl. ebd. und CMMA Gartmann GmbH a, o. D.). Insgesamt wurden bis 1915 über 20.000 der Gartmann‘schen Unikum-Automaten produziert. Das machte die Firma in Deutschland, aber auch im Ausland bekannt (vgl. Wolff 2023). 1903 wurde außerdem ein Gebrauchsmuster (Nr. 214461) für einen an der Wand anzubringenden Automaten der Firma Gartmann eingereicht, welcher ebenfalls Schokoladenrollen in den Sorten Vanille und Creme verkaufte.
links: Warenschacht des Gartmann "Unikum" (Deutsches Automatenmuseum)
Auch die nächste Gartmann-Generation setzte auf den Schokoladenverkauf durch Automaten. Johann Franz Louis Gartmann gründete nach dem ersten Weltkrieg eine weitere Schokoladenfabrik unter dem Namen „Kobold“ und brachte 1926 einen gleichnamigen Schokoladenverkaufsautomaten auf den Markt, der insgesamt knapp 13.000-mal produziert wurde (vgl. CMMA Gartmann GmbH a, o. D. und Wolff 2023). Er gab Rollen von „Vanille Krem Schokolade“ aus (vgl. Haberbosch 2003, S. 38). Dieser ebenfalls als Turm gestaltete Schokoladenverkäufer zog durch seine leuchtend rote Gestaltung und einem Kobold-Emblem auf der Vorderseite Blicke auf sich (vgl. ebd.).
Dieses Emblem hatte Johann Franz Louis Gartmann von seiner 1921 gegründeten Uhrenfabrik „Ernst Kobold“ übernommen, die bis 1925 Uhrenwerke für Stand- und Wanduhren herstellte und diese in einem Ladengeschäft in der Kaiser-Wilhelm-Straße in Hamburg verkaufte (vgl. Wolff 2023).
rechts: Gartmann-Automat "Kobold" (Deutsches Automatenmuseum, Hintergrund durch KI optimiert)
Auch die nächste Gartmann-Generation setzte auf den Schokoladenverkauf durch Automaten. Johann Franz Louis Gartmann gründete nach dem ersten Weltkrieg eine weitere Schokoladenfabrik unter dem Namen „Kobold“ und brachte 1926 einen gleichnamigen Schokoladenverkaufsautomaten auf den Markt, der insgesamt knapp 13.000-mal produziert wurde (vgl. CMMA Gartmann GmbH a, o. D. und Wolff 2023). Er gab Rollen von „Vanille Krem Schokolade“ aus (vgl. Haberbosch 2003, S. 38). Dieser ebenfalls als Turm gestaltete Schokoladenverkäufer zog durch seine leuchtend rote Gestaltung und einem Kobold-Emblem auf der Vorderseite Blicke auf sich (vgl. ebd.).
Dieses Emblem hatte Johann Franz Louis Gartmann von seiner 1921 gegründeten Uhrenfabrik „Ernst Kobold“ übernommen, die bis 1925 Uhrenwerke für Stand- und Wanduhren herstellte und diese in einem Ladengeschäft in der Kaiser-Wilhelm-Straße in Hamburg verkaufte (vgl. Wolff 2023).
rechts: Gartmann-Automat "Kobold" (Deutsches Automatenmuseum, Hintergrund durch KI optimiert)
In den 1930er-Jahren entwickelte Johann Franz Louis Gartmann einen neuen Automaten. Mit einer sogenannten Kugelschleuder, die vor allem in Thekenbereichen von Gastronomien aufgestellt wurde, konnten farbigen Premienkugeln erspielt werden, die dann beim Wirt oder der Wirtin in Gartmann-Produkte eingetauscht werden konnten (vgl. CMMA Gartmann GmbH a, o. D. und Wolff, 2023). Der Erfolg dieser Entwicklung hielt allerdings nicht lange an. Nachdem die Kugelschleuder vom Gesetzgeber zunächst aus geschlossenen Innenräumen verbannt worden war, erließ eine Verfügung, dass die Gewinnpläne bereits vor dem Einsatz offenlegen mussten, welche Gewinne erzielt werden konnten. Dies hatte zur Folge, dass der Spielreiz an der Kugelschleuder verloren ging. 1940 wurde die Kugelschleuder aufgrund eines neuen Gesetzes, das mechanisch betriebene Spieleinrichtungen mit Gewinnmöglichkeiten verbot, endgültig vom Markt genommen (vgl. CMMA Gartmann GmbH a, o. D.).
Durch ihre Holzgehäuse dienten viele Gartmann Automaten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aufgrund von Brennholz- und Wertstoffmangel als Feuerholz, sodass es heute nur noch eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Gartmann Warenautomaten gibt (vgl. CMMA Gartmann GmbH b o.D.).
links: Gartmann-Automat "Kugelschleuder" (Deutsches Automatenmuseum)
In den 1930er-Jahren entwickelte Johann Franz Louis Gartmann einen neuen Automaten. Mit einer sogenannten Kugelschleuder, die vor allem in Thekenbereichen von Gastronomien aufgestellt wurde, konnten farbigen Premienkugeln erspielt werden, die dann beim Wirt oder der Wirtin in Gartmann-Produkte eingetauscht werden konnten (vgl. CMMA Gartmann GmbH a, o. D. und Wolff, 2023). Der Erfolg dieser Entwicklung hielt allerdings nicht lange an. Nachdem die Kugelschleuder vom Gesetzgeber zunächst aus geschlossenen Innenräumen verbannt worden war, erließ eine Verfügung, dass die Gewinnpläne bereits vor dem Einsatz offenlegen mussten, welche Gewinne erzielt werden konnten. Dies hatte zur Folge, dass der Spielreiz an der Kugelschleuder verloren ging. 1940 wurde die Kugelschleuder aufgrund eines neuen Gesetzes, das mechanisch betriebene Spieleinrichtungen mit Gewinnmöglichkeiten verbot, endgültig vom Markt genommen (vgl. CMMA Gartmann GmbH a, o. D.).
Durch ihre Holzgehäuse dienten viele Gartmann Automaten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aufgrund von Brennholz- und Wertstoffmangel als Feuerholz, sodass es heute nur noch eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Gartmann Warenautomaten gibt (vgl. CMMA Gartmann GmbH b o.D.).
links: Gartmann-Automat "Kugelschleuder" (Deutsches Automatenmuseum)
Jede Schokoladenrolle der Firma C.H.L Gartmann enthielt bereits ab 1901 neben der Schokolade ein Sammelbildchen. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges wurden circa 3200 Sammelbildchen ausgegeben (vgl. Lorenz 2000, S. 30). Damit übernahm die Firma Gartmann ein Marketingkonzept, welches ursprünglich auf die Firma Stollwerck und die sogenannten Stollwerck-Automatenbildchen zurückzuführen ist, die eine eigene Bildform prägte, deren Formate exakt an die Verkaufspackungen angepasst wurden (vgl. Ciolina & Ciolina 2007, S. 34). Wie auch die Firma Stollwerck brachte die Firma Gartmann Alben zum Sammeln der Bildchen heraus (vgl. CMMA Gartmann GmbH a o. D.). Diese sind noch heute unter Sammlerinnen und Sammlern sehr beliebt.
rechts: Sammelbild "Gartmann" (Serie 1/Bild 4)
Jede Schokoladenrolle der Firma C.H.L Gartmann enthielt bereits ab 1901 neben der Schokolade ein Sammelbildchen. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges wurden circa 3200 Sammelbildchen ausgegeben (vgl. Lorenz 2000, S. 30). Damit übernahm die Firma Gartmann ein Marketingkonzept, welches ursprünglich auf die Firma Stollwerck und die sogenannten Stollwerck-Automatenbildchen zurückzuführen ist, die eine eigene Bildform prägte, deren Formate exakt an die Verkaufspackungen angepasst wurden (vgl. Ciolina & Ciolina 2007, S. 34). Wie auch die Firma Stollwerck brachte die Firma Gartmann Alben zum Sammeln der Bildchen heraus (vgl. CMMA Gartmann GmbH a o. D.). Diese sind noch heute unter Sammlerinnen und Sammlern sehr beliebt.
rechts: Sammelbild "Gartmann" (Serie 1/Bild 4)
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte Franz Gartmann seine Firma an seine Söhne Kurt Willi Hans und Richard Paul übergeben (vgl. Wolff 2023). Nach einem Räumungsbefehl der Produktionsstätten durch die britischen Streitkräfte im Juni 1945 konnte die Firma nach Abschluss eines Arbeitsgemeinschaftsvertrages mit der Reese & Wichmann GmbH und dem beginnenden Neuaufbau der im Krieg zerstörten Produktionsstätte wieder mit der Schokoladenproduktion starten. Der Wiederaufbau gelang. 1960 feierte das Unternehmen 150-jähriges Bestehen und stellte nach wie vor mit 200 Mitarbeitenden Schokolade, Kakao und Pralinen her. 1965 verkündete Kurt Willi Hans Gartmann das Ende der eigenen Produktion von Gartmann-Schokolade. Als Gründe nannte er unter anderem steigende Löhne, zu hoher Konkurrenzdruck und Personalschwierigkeiten (vgl. ebd.). Die Firma trat danach als reine Handelsgesellschaft auf. Weiterhin vertrieben wurden die berühmten Tannenbaumkränze (vgl. ebd.). 1994 übernahm Sohn Dieter Richard Oswald Gartmann das Unternehmen und baute den Verkauf weiter aus (vgl. ebd.). Seit 2014 befindet sich das Geschäft in den Händen der siebten Gartmann-Generation. Unter dem Namen CMMA Gartmann UG wird durch Corinna Marion Maruri Gartmann der Online-Handel ausgebaut. Neben den Tannenbaumkränzen werden dort auch Schokoladen-Crunchies vertrieben (vgl. ebd.). Der stationäre Handel läuft unverändert seit 1865 unter dem Namen C.H.L. Gartmann.
Autorin Charlotte-Sophie Beiderbeck
Abb.1: Heike Bohbrink, Mitarbeiterin des Deutschen Automatenmuseums, mit dem Gartmann "Unikum" (INV 1483) in der Ausstellung des Deutschen Automatenmuseums, eigene Aufnahme des Deutschen Automatenmuseums.
Abb.2: Esajas Gartmann, CMMA Gartmann GmbH a (o.D.) Die Meilensteine der Schokoladen-Firma Gartmann. Abgerufen am 23.10.2026 unter https://www.gartmannschokolade.de/familienhistorie/ .
Abb. 3: Hannes Herrmann Philipp Gartmann, CMMA Gartmann GmbH a (o.D.) Die Meilensteine der Schokoladen-Firma Gartmann. Abgerufen am 23.10.2026 unter https://www.gartmannschokolade.de/familienhistorie/ .
Abb.4: Christian Heinrich Louis Gartmann, CMMA Gartmann GmbH a (o.D.) Die Meilensteine der Schokoladen-Firma Gartmann. Abgerufen am 23.10.2026 unter https://www.gartmannschokolade.de/familienhistorie/ .
Abb.5: Gartmann Schokoladenrolle (Nachbau), eigene Aufnahme des Deutschen Automatenmuseums.
Abb.6: Warenschacht des Gartmann-Automaten "Unikum" (INV 1483), eigene Aufnahme des Deutschen Automatenmuseums.
Abb.7: Gartmann-Automat Kobold (INV 974), eigene Aufnahme des Deutschen Automatenmuseums (Hintergrund mit KI optimiert).
Abb.8: Gartmann-Automat "Kugelschleuder" (INV 284), eigene Aufnahmen des Deutschen Automatenmuseums.
Abb. 9: Gartmann Sammelbild (Serie 1/ Bild 4), privat, dem Deutschen Automatenmuseum zur Verfügung gestellt.
Ciolina E. & Ciolina, E. (2007): Das Reklamesammelbild. Sammlerträume. Ein Bewertungskatalog: Von Schokolade bis Schuhcreme. Kleine Kunstwerke in der Werbung. Regenstauf: Battenberg Verlag.
CMMA Gartmann GmbH a (o. D.): Die Meilensteine der Schokoladen-Firma Gartmann. Abgerufen am 09.10.2026 unter https://www.gartmannschokolade.de/familienhistorie/ .
CMMA Gartmann GmbH b (o. D.): Gartmann Automaten im TV. Abgerufen am 13.10.2026 unter: https://www.gartmannschokolade.de/blog/gartmann-automaten-im-tv .
Haberbosch, F. B. (2003): Schöne alte Automaten. Lucky Dice und Henkeltöpfchen. Mainz: Universitätsdruckerei H. Schmidt.
Magazin rund um Schokolade, Pralinen und Kakao (o. D.): Die Geschichte von Kakao und Schokolade. Übersicht 1482-1918. Abgerufen am 08.10.2026 unter: https://www.theobroma-cacao.de/wissen/geschichte .
Lorenz, D. (2000): Reklamekunst um 1900. Künstlerlexikon für Sammelbilder. Berlin: Dietrich Reimer Verlag GmbH.
Menne, F. R. (1989): Kulturgeschichte der Schokolade. Begleitheft zur Ausstellung im Gürzenich zu Köln vom 8.Juli bis 20. August 1989. Köln: Stollwerck AG.
Wolff, U. (2023): C.H.L. Gartmann – Die Firmengeschichte (unveröffentlichtes Manuskript, vom Autor dem Deutschen Automatenmuseum – Sammlung Gauselmann zur Verfügung gestellt).
Welche Hersteller dominierten den Schokoladenmarkt in Deutschland im Kaiserreich um 1900?
Der deutsche Schokoladenmarkt wurde um 1900 zum Beispiel von Unternehmen wie Stollwerck in Köln, Theodor Hildebrand & Sohn in Berlin sowie B. Sprengel & Co. in Hannover und Hartwig & Vogel in Dresden geprägt. Besonders Stollwerck galt als einer der größten und innovativsten Schokoladenhersteller Europas und setzte bereits früh auf Verkaufsautomaten und Sammelbilder als Werbemittel.
Wofür steht das C.H.L. im Firmennamen der C.H.L. Gartmann aus Hamburg?
Die Abkürzung C.H.L. steht für die Vornamen von Christian Heinrich Louis Gartmann, der 1865 eine Schokoladenfabrik aus der Konditorei seines Vaters unter dem Namen C.H.L. Gartmann gegründet hatte.
Was war der Gartmann Unikum-Automat?
Der „Unikum“ war ein um 1900 entwickelter Schokoladenverkaufsautomat der Firma Gartmann, der Schokoladenrollen in den Sorten „Vanille“ und „Crême“ gegen Münzeinwurf ausgab (vgl. Haberbosch 2003, S. 36).
Wie viele Unikum-Automaten wurden hergestellt?
Bis 1915 entstanden mehr als 20.000 Exemplare (vgl. Wolff 2023).
Warum sind Gartmann-Automaten heute selten?
Viele Automaten wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund des Brennstoffmangels als Feuerholz verwendet (vgl. CMMA Gartmann GmbH b, o. D.).
Warum lagen der Gartmann-Schokolade Sammelbildchen bei?
Die Sammelbilder waren ein frühes Marketinginstrument, das Kundinnen und Kunden zum wiederholten Kauf von Gartmann-Schokolade motivieren sollte.
Wo kann man heute einen Gartmann-Automaten sehen?
Originale Gartmann-Automaten sind Teil der Sammlung des Deutschen Automatenmuseum – Sammlung Gauselmann auf dem Schloss Benkhausen in Espelkamp, Nordrhein-Westfalen.