Bildbetrachter, Wahrsager und Schaustellungsautomaten
Münzautomaten, die uns visuell in ferne Länder reisen ließen, die unsere Zukunft vorhersagten oder ein Schauspiel boten, das uns u.a. das Gruseln lehrte - all diese Unterhaltngsautomaten sorgten für ausgelassene Stimmung nicht nur auf den Jahrmärkten dieser Welt.
Bildbetrachter, Wahrsager und Schaustellungsautomaten
Münzautomaten, die uns visuell in ferne Länder reisen ließen, die unsere Zukunft vorhersagten oder ein Schauspiel boten, das uns u.a. das Gruseln lehrte - all diese Unterhaltngsautomaten sorgten für ausgelassene Stimmung nicht nur auf den Jahrmärkten dieser Welt.
Unterhaltungsautomaten zum Schauen und Staunen
Bei den Bildbetrachtern in der Sammlung Gauselmann handelt es sich oftmals um »Stereoskope«. Sie zeigten jeweils zwei Fotos, die sich im Aufnahmewinkel leicht unterschieden. Beim Hineinschauen entstand so ein räumlicher Gesamteindruck. Präsentiert wurden beispielsweise Eindrücke aus fernen Ländern oder weibliche Aktaufnahmen. Der Jahrmarkt zählte seit Ende des 19. Jahrhunderts zum klassischen Aufstellort für diese Automaten.
Wahrsage-Automaten veranschaulichen eine Unterhaltungsform, die traditionell fest mit dem Jahrmarkt verbunden ist. Diverse Gottheiten, die Sterne, übersinnliche Mächte oder Körperteile wurden befragt, um Prophezeiungen über das Schicksal zu erhalten. Die gegebene Antwort wurde entweder für alle Welt sichtbar oder war allein für die eigenen Augen bestimmt. Münzbetriebene Wahrsageautomaten wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit erstmals als Einzelstücke in den 1870er-Jahren aufgestellt.
Im Zuge der Automation war es seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts möglich, einer Kulisse durch Münzeinwurf Leben einzuhauchen. Die Schaustellungsautomaten besaßen feste Szenerien, in denen zum Erstaunen der Betrachtenden die eine oder andere Überraschung passierte. Sie stehen in direkter Tradition des klassischen Puppentheaters. So versetzten diese Automaten das Publikum in eine passive Rolle. Unter dem Namen »Working Models« waren sie speziell in Großbritannien sehr populär.
Die Voraussetzung für die Entstehung von Bildbetrachtern war die Erfindung der Fotografie.
Die ausgestellten Beispiele, die hauptsächlich nach dem Prinzip der „Stereoskopie“ funktionieren, basieren auf den Erkenntnissen des britischen Naturwissenschaftlers Sir Charles Wheatstone. Dieser befasste sich 1838 mit dem Phänomen des dreidimensionalen, illusorischen Sehens.
Er fand heraus, dass sich der Aufnahmewinkel der beiden menschlichen Augen geringfügig unterscheidet und optische Eindrücke somit nicht ganz deckungsgleich sind. Jedes Auge sieht ein anderes Bild, obwohl das Motiv dasselbe ist. Im Gehirn verschmelzen dann diese beiden Bilder zu einem räumlichen Gesamteindruck. Ein sogenanntes Stereobild besteht danach aus einem Bild-Paar, dessen Bestandteile als stereoskopische Halbbilder bezeichnet werden.
Die Voraussetzung für die Entstehung von Bildbetrachtern war die Erfindung der Fotografie.
Die ausgestellten Beispiele, die hauptsächlich nach dem Prinzip der „Stereoskopie“ funktionieren, basieren auf den Erkenntnissen des britischen Naturwissenschaftlers Sir Charles Wheatstone. Dieser befasste sich 1838 mit dem Phänomen des dreidimensionalen, illusorischen Sehens.
Er fand heraus, dass sich der Aufnahmewinkel der beiden menschlichen Augen geringfügig unterscheidet und optische Eindrücke somit nicht ganz deckungsgleich sind. Jedes Auge sieht ein anderes Bild, obwohl das Motiv dasselbe ist. Im Gehirn verschmelzen dann diese beiden Bilder zu einem räumlichen Gesamteindruck. Ein sogenanntes Stereobild besteht danach aus einem Bild-Paar, dessen Bestandteile als stereoskopische Halbbilder bezeichnet werden.
10 Jahre nach dieser Erkenntnis konstruierte David Brewster eine Kamera mit Doppelobjektiv zur Aufnahme von stereoskopischen Fotos. Um diese Bild-Paare plastisch wahrnehmen zu können, wurden Automaten entwickelt, die mithilfe von optischen Linsen diesen Stereoeffekt ermöglichten. An dieser Stelle lässt sich von einem der ersten Versuche der 3D-Darstellung sprechen!
Das erste Patent für einen stereoskopischen Bildbetrachter mit Münzeinwurf erhielt William Spiers Simpson im November des Jahres 1886.
Schnell entwickelte sich u.a. der Jahrmarkt als perfekter Aufstellort für diese Geräte.
Den Menschen wurde mit Hilfe der Bildbetrachter sowohl Wissen vermittelt, als auch Unterhaltung geboten. Sie bestaunten in diesen Automaten Dinge, die ihnen ohne diese im Verborgenen geblieben wären: Landschaften in fernen Ländern, Stadtansichten oder auch die menschliche Anatomie…
So lassen sich nicht selten Bilder leicht bekleideter Frauen bis hin zu Fotografien, die der Pornografie zuzuordnen sind, darin finden.
Denn am Ende des 19. Jahrhunderts feierte das Kino Premiere auf dem Jahrmarkt. Das „Jahrmarktkino“ oder auch „Wanderkino“ genannt hatte seine Blütezeit zwischen 1896 und 1908. In Zelten oder Holzbuden, auf Bänken sitzend, bestaunte die Bevölkerung mit Hilfe eines Kinematographen erstmals ein zuvor aufgenommenes bewegtes Bild. Ein sensationelles Erlebnis für viele Menschen in der damaligen Zeit. Mit dem flächendeckenden Ausbau der „ortsfesten“ Lichtspielhäuser und Weiterentwicklung der Filmindustrie verloren sie immer mehr an Bedeutung, bis sie vom Jahrmarkt verschwanden.
Denn am Ende des 19. Jahrhunderts feierte das Kino Premiere auf dem Jahrmarkt. Das „Jahrmarktkino“ oder auch „Wanderkino“ genannt hatte seine Blütezeit zwischen 1896 und 1908. In Zelten oder Holzbuden, auf Bänken sitzend, bestaunte die Bevölkerung mit Hilfe eines Kinematographen erstmals ein zuvor aufgenommenes bewegtes Bild. Ein sensationelles Erlebnis für viele Menschen in der damaligen Zeit. Mit dem flächendeckenden Ausbau der „ortsfesten“ Lichtspielhäuser und Weiterentwicklung der Filmindustrie verloren sie immer mehr an Bedeutung, bis sie vom Jahrmarkt verschwanden.
Die angeborene Neugierde auf die Zukunft ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Diverse Gottheiten, die Astrologie, übersinnliche Mächte, die physische Beschaffenheit bestimmter Körperteile oder das sagenumwobene Schicksal werden noch heute auf unterschiedlichste Weisen dazu befragt, was vor uns liegt.
Bereits in der antiken Mythologie lässt sich diese Neugierde ablesen an der Existenz Fortunas, der römischen Göttin des Glücks und des Schicksals, deren Attribut u. a. das Rad des Schicksals ist. Das „Drehen“ lässt sich als zentrales Element bei vielen Automaten wiederfinden, die versprechen, einen Blick in die Zukunft zu gewähren.
Die angeborene Neugierde auf die Zukunft ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Diverse Gottheiten, die Astrologie, übersinnliche Mächte, die physische Beschaffenheit bestimmter Körperteile oder das sagenumwobene Schicksal werden noch heute auf unterschiedlichste Weisen dazu befragt, was vor uns liegt.
Bereits in der antiken Mythologie lässt sich diese Neugierde ablesen an der Existenz Fortunas, der römischen Göttin des Glücks und des Schicksals, deren Attribut u. a. das Rad des Schicksals ist. Das „Drehen“ lässt sich als zentrales Element bei vielen Automaten wiederfinden, die versprechen, einen Blick in die Zukunft zu gewähren.
Auf dieses Rad der Fortuna geht vermutlich auch das Spielprinzip des Glücksrads (Wheel of fortune) zurück.
Die ersten münzbetriebenen Wahrsage-Automaten existierten Hinweisen zufolge bereits in den 1870er-Jahren. In Serie gefertigt und großflächig aufgestellt wurden sie ein bzw. zwei Jahrzehnte später.
Klassische Elemente der Wahrsagekunst lassen sich deutlich in der Konzeption der Automaten erkennen: Glücksrad, Handlesen oder Lesen aus einer Kristallkugel sowie die zugeschriebenen magischen Fähigkeiten des Volks der Sinti & Roma. Zur Zeit der Entstehung der Automaten sowie in Quellen wurden diese als „Zigeuner“ bezeichnet.
Diese Volksgruppe tritt bereits in Europa in Quellen des 15. Jh. in Erscheinung. Speziell von der religiösen Obrigkeit über Jahrhunderte „verteufelt“ und im Laufe des 18. Jahrhunderts bis zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts juristisch verfolgt, übte die Fähigkeit der Wahrsagung des „fahrenden Volks“ eine Faszination auf die Bevölkerung aus. Viele Berichte über die Vorführung von magischen Praktiken, vor allem von Wahrsagetätigkeiten auf Jahrmärkten, lassen klar erkennbar darauf schließen.
Die Zukunftsprognosen aus den Automaten wurden auf unterschiedliche Weisen kommuniziert. Je nach Ausführung wurden die Aussagen nach Münzeinwurf entweder für alle Umstehenden offenbart, z. B. durch das Aufleuchten von Glühlampen oder sie wurden in dezenter Schriftgröße auf dem Automaten freigegeben und damit für ein exklusiveres Publikum sichtbar. Für die maximale Diskretion sorgten Wahrsageautomaten mit Kartenausgabe. Bei diesen war es an der Person, die die Münze einwarf, ob sie die Information auf der Karte mit anderen teilte oder sie für sich behielt.
Die Automaten sorgten mit ihrer kreativen und zum Teil hoch technisierten Konzeption (in Anbetracht der Zeit ihrer Entstehung) für eine Fortführung des Unterhaltungsprinzips „Wahrsagen“. Zugleich sorgten sie für die Abbildung einer jahrhundertealten Tradition auf dem Jahrmarkt.
Die Zukunftsprognosen aus den Automaten wurden auf unterschiedliche Weisen kommuniziert. Je nach Ausführung wurden die Aussagen nach Münzeinwurf entweder für alle Umstehenden offenbart, z. B. durch das Aufleuchten von Glühlampen oder sie wurden in dezenter Schriftgröße auf dem Automaten freigegeben und damit für ein exklusiveres Publikum sichtbar. Für die maximale Diskretion sorgten Wahrsageautomaten mit Kartenausgabe. Bei diesen war es an der Person, die die Münze einwarf, ob sie die Information auf der Karte mit anderen teilte oder sie für sich behielt.
Die Automaten sorgten mit ihrer kreativen und zum Teil hoch technisierten Konzeption (in Anbetracht der Zeit ihrer Entstehung) für eine Fortführung des Unterhaltungsprinzips „Wahrsagen“. Zugleich sorgten sie für die Abbildung einer jahrhundertealten Tradition auf dem Jahrmarkt.
Die Unterhaltung, die Schaustellungsautomaten bieten, ist in direkter Nachfolge einer Tradition zu sehen, die zum Jahrmarktsgeschehen gehört: Das Puppentheater. Was im Hintergrund durch menschliche Fingerfertigkeit und die Kunst der Stimmenverstellung seit Jahrhunderten Kinder (und auch Erwachsene) begeistert, wird im Fall der Automaten in reduzierter und technisierter Form geboten.
Auf dieser Tradition aufbauend, wurden im Verlaufe des 18. Jahrhunderts sogenannte „mechanische Bilder“ geschaffen. Diese zeigten bildliche Szenerien, bei denen mithilfe einer integrierten Mechanik Bewegung und damit Handlung erzeugt wurde.
Die Unterhaltung, die Schaustellungsautomaten bieten, ist in direkter Nachfolge einer Tradition zu sehen, die zum Jahrmarktsgeschehen gehört: Das Puppentheater. Was im Hintergrund durch menschliche Fingerfertigkeit und die Kunst der Stimmenverstellung seit Jahrhunderten Kinder (und auch Erwachsene) begeistert, wird im Fall der Automaten in reduzierter und technisierter Form geboten.
Auf dieser Tradition aufbauend, wurden im Verlaufe des 18. Jahrhunderts sogenannte „mechanische Bilder“ geschaffen. Diese zeigten bildliche Szenerien, bei denen mithilfe einer integrierten Mechanik Bewegung und damit Handlung erzeugt wurde.
Durch den technischen Fortschritt war es erstmals zur Wende des 20. Jahrhunderts möglich, Bildern mittels Einwurfs einer Münze Leben einzuhauchen. Es gab einen festen Szenenaufbau, welcher – zum Erstaunen des Publikums – die eine oder andere Überraschung barg. An diesen Automaten ließen sich sowohl erheiternde, als auch gruselige Szenen entdecken.
Das Repertoire erstreckte sich von trinkenden Bären über tanzende Hawaiianerinnen bis hin zu sich öffnenden Särgen. Für die Ohren bieten die Schaustellungsautomaten in der Regel keinen großen Mehrwert, da oft das Einzige, was zu hören ist, der verbaute Elektromotor ist, der das Schauspiel akustisch untermalt.
In Großbritannien gelangten diese Automaten als „Working Models“ zu besonderer Popularität und erfreuten sich großer Beliebtheit.
In direkter Verbindung zu diesen Automaten stehen sogenannte "mechanische Opferstöcke", die in Süddeutschland in Erscheinung traten. Hier wurden christliche Szenen abgebildet, bei denen beispielsweise das Jesuskind erschien, seinen Arm zum Segen hob und danach in der Szenerie wieder verschwand. Das eingeworfene Münzgeld kam dann wohltätigen Zwecken zugute.
In direkter Verbindung zu diesen Automaten stehen sogenannte "mechanische Opferstöcke", die in Süddeutschland in Erscheinung traten. Hier wurden christliche Szenen abgebildet, bei denen beispielsweise das Jesuskind erschien, seinen Arm zum Segen hob und danach in der Szenerie wieder verschwand. Das eingeworfene Münzgeld kam dann wohltätigen Zwecken zugute.
Autorin Jessica Midding