Paul Ehrlich erfand den Vorläufer des Schallplattenspielers

Zu Ehren dieses heute fast vergessenen Erfinders wurde am Freitag, 27. Mai 2022, ein Symposium auf Schloss Benkhausen ausgerichtet. Die Veranstaltung mit dem Titel „Paul Ehrlich und die Anfänge der Leipziger Musikwerke-Industrie“ fand auf Schloss Benkhausen statt. Im Zentrum stand die Buchpräsentation von Privatdozentin Dr. Birgit Heise, Musikwissenschaftlerin an der Universität Leipzig, die das Wirken Paul Ehrlichs wissenschaftlich beleuchtet hat.

Tagungsband im Museumsshop

Mit 70 Millionen abrufbaren Songs hat sich der Streamingdienst Spotify für viele Musikliebhaber zum Nonplusultra entwickelt. Mit etwas Fantasie ließen sich die Wurzeln dieser schwedischen Erfolgsgeschichte vor 140 Jahren in Leipzig verorten. Denn damals, 1882, erfand der Klavierbauer Paul Ehrlich das Ariston. Auf dieser Mini-Drehorgel konnten gelochte Pappplatten aufgelegt und durch Kurbeln abgespielt werden. Diese Erfindung war deshalb so bahnbrechend, weil es erstmals möglich war, sich ein umfangreiches Musik-Repertoire zuzulegen, ohne selbst ein Instrument spielen zu müssen. Damit hatte Paul Ehrlich sogar einen neuen Industriezweig begründet, der sich über 50 Jahre auf dem Weltmarkt behauptete: die massenhafte Musikautomaten-Produktion mit leicht auswechselbaren Lochplatten.

Zu Ehren dieses heute fast vergessenen Erfinders wurde auf Schloss Benkhausen in Espelkamp am 27. Mai 2022 ein Symposium ausgerichtet. Die Veranstaltung trug den Titel „Paul Ehrlich und die Anfänge der Leipziger Musikwerke-Industrie“, und wurde vom Deutschen Automatenmuseum organisiert.

Ariston Modell Nr. 9
Paul Ehrlich Symposium Nachkommen Achim Quaas_Karin Gauselmann_Robert Hirsch

Im Zentrum stand die Buchpräsentation von Privatdozentin Dr. Birgit Heise, Musikwissenschaftlerin an der Universität Leipzig, die das Wirken Paul Ehrlichs wissenschaftlich beleuchtet hat und die Erkenntnisse des Symposiums „Gestanzte Musik“ von 2019 in Leipzig in einer speziellen Publikation zusammengefasst hat. „Wir sind sehr froh, dass wir zu so einer hochkarätigen Veranstaltung einladen konnten und freuen uns über die vielen, hochinteressante Vorträge, die je nach persönlichem Interesse auch einzeln besucht wurden“, erklärt Sascha Wömpener, Leiter des Deutschen Automatenmuseums. In der umfangreichen Sammlung konnten die Besucher*innen auch ein Ariston bestaunen, mit dem Paul Ehrlich damals die Musikwelt revolutionierte.

Ein weiterer Bezug ist familiärer Art:
Karin Gauselmann (auf dem Foto mittig), Ehefrau von Unternehmensgründer Paul Gauselmann und tatkräftige Unterstützerin der heimischen Kulturszene, ist Urenkelin von ebenjenem Paul Ehrlich.

Das Symposium nahm die Anfänge der Leipziger Musikwerke-Industrie in den Blick und würdigte die speziellen Verdienste Paul Ehrlichs. Es startete mit der Anreise am Donnerstag, 26. Mai, und einem gemeinsamen Abendessen im Krug zum grünen Kranze in Tonnenheide. Am Freitag standen dann mehrere

Vorträge auf dem Programm:
Den Auftakt machte Ralf Smolne (Vorsitzender der Gesellschaft für Selbstspielende Musikinstrumente e.V.) mit dem Thema „Ehrlichs wichtigste Erfindung und sein allzu langes Festhalten daran“.
Im Anschluss beleuchteten Pfarrer Richard Englert das „Repertoire des Ariston“ und Prof. Dr. Wilfried Glöckner die „Digitalisierung von Ariston-Platten“.
Es folgte eine Podiumsdiskussion zum Thema „Lochplatte und Ariston“.

Nach Mittagessen und Kaffeepause ging es weiter:
Während Achim Quaas (auf dem Foto links), ebenfalls Urenkel Paul Ehrlichs, die politischen Verhältnisse der Zeit thematisierte, widmete sich Sascha Wömpener Ehrlichs Familie und präsentierte die Ergebnisse seiner archivarischen Recherchen.

Als einer der Höhepunkte des Symposiums folgte eine Podiumsdiskussion mit den Nachkommen Paul Ehrlichs, an der auch Karin Gauselmann, Achim Quaas und Robert Hirsch, Sohn der Groß-Nichte Monika Hirsch, (auf dem Foto rechts) teilnahmen.

Abschließend präsentierte dann Privatdozentin Dr. Birgit Heise ihren Tagungsband zu Paul Ehrlich. Dieser entstand in Kooperation mit dem Deutschen Automatenmuseum, dem Förderverein des Musikinstrumenten-Museums der Uni Leipzig sowie der Gesellschaft für Selbstspielende Instrumente und fasst die Erkenntnisse zu seinem beachtlichen Wirken zusammen. Denn: Nur gut zehn Jahre nach seiner Erfindung waren bereits rund 350.000 Aristons und etwa sechs Millionen Lochscheiben weltweit verkauft.